von Zezschwitz Kunst und Design

Jugendstil - Art Déco - Kunst um 1900
mit Sonderthema Wiener Kunst 1900 - 1930



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Fritz Erler - Zwei dekorative Gemälde, 1910

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Auktion 29 , 24.04.2006
Katalognummer 183
Überschrift

Fritz Erler

Frankenstein i. Schlesien 1868 - 1940 München
Titel

Zwei dekorative Gemälde, 1910

Beschreibung Romantische Szene mit zwei Frauen unter einem Baum; im Vordergrund eine sinnend in die Ferne blickende weibliche Figur mit gelbem Kleid, hinter ihr die Gestalt einer schwarzen Begleiterin mit Kopftuch und Ohrringen, am rechten Bildrand der Stamm eines großen Baumes, dessen herbstlich gelb gefärbte Blätter am oberen Rand in das Bild hineinreichen, im Hintergrund schließt eine hohe, nicht näher gekennzeichnete Mauer die Figurenszene ab. 80 x 60 cm. Öl auf Leinwand. Goldrahmen. Jagdhornbläser mit Speer und umgehängtem, mit Pfeilen gefülltem Köcher, hinter ihm sein schwarzer Jagdgefährte mit rotem Hut, dem anderen Gemälde entsprechend am oberen Bild herabwachsende, herbstlich gelb gefärbte Blätter eines Baumes, im Hintergrund ebenfalls eine hohe, nicht näher gekennzeichnete Mauer. 80 x 60 cm. Öl auf Leinwand. Goldrahmen.
Schätzpreis € 20.000,00
$ 28,000.00
Zuschlag € 32.000,00
$ 45,120.00
   
 

  1. Fritz Erler -
  2. Fritz Erler -


Zusatz

Bei den vorliegenden dekorativen Gemälden handelt es sich um motivisch eng angelehnte Varianten zu zwei hochformatigen Wandbildern, die Fritz Erler für die 'Münchner Ausstellung angewandter Kunst', die im September 1910 im Rahmen des alljährlichen Pariser Herbstsalons im Grand Palais stattfand, malte. Die Wandbilder waren Teil der Innenausstattung einer vom Münchner Architekten Paul Ludwig Troost (1878 – 1934) für die Ausstellung entworfenen, repräsentativen Bibliothek. Der rechteckige Raum war mit reich geschnitzten Tischen und schweren, grün gepolsterten Sesseln ausgestattet. An den Schmalseiten standen verglaste Bücherschränke, den Boden bedeckte fast vollständig ein großer, mit Blütenrosetten gemusterter Teppich. Die der Fensterfront gegenüberliegende Längswand schmückte in der Mitte ein großer Kamin, flankiert von den beiden schmalen, fast Raum hohen, dekorativen Wandbildern Fritz Erlers. Beide Wandbilder waren gobelinartig in die mit rahmenden Profilen unterteilte Wand eingepasst und korrespondierten sowohl farblich, wie auch in ihrer monumentalen Wirkung mit dem sie umgebenden Raum. Auf beiden Wandbildern waren statuarische, mittelalterlich anmutende Figuren vor nahezu dem gleichen landschaftlichen Hintergrund herbstlich gefärbter Bäume mit herabhängenden Ästen und einer alten, teilweise verwitterten Mauer zu sehen und nahmen somit klar auf einander Bezug. Das linke Wandbild zeigte eine Jagdszene: ein Ritter mit langem Gewand hat einen Hirsch erlegt und bläst das Jagdhorn, sein schwarzer Jagdgenosse im Hintergrund hält einen der großen Jagdhunde am Halsband. Das rechte Wandbild zeigte eine romantische Szene mit drei Frauen in langen Gewändern: im Vordergrund zwei weiße Frauen, die eine sitzend und eine Blütengirlande haltend, die andere stehend und in die Ferne blickend, im Hintergrund erscheint, dem Jagdbild entsprechend, ebenfalls eine schwarze Figur. In welchem genauen inhaltlichen Zusammenhang die beiden Bilder standen, lässt sich nicht genau bestimmen– für Fritz Erler scheint aber die künstlerisch-dekorative Wirkung der Bilder und ihre harmonische Eingliederung in den Raum im Vordergrund gestanden zu haben. Von der differenzierten, auf Gelb-, Orange-, Violett-, Grün- und Schwarztöne konzentrierten Farbigkeit, der künstlerischen Qualität und der dekorativen Wirkung der beiden verschollenen Wandbilder zeugen einzig die beiden vorliegenden Gemälde, die ausschnitthaft und in den Vordergrund gerückt die Hauptfiguren der Wandbilder in leichter Variation zeigen: den Jagdhorn blasenden Jäger mit Köcher und Waffe bzw. die stehende Frau und ihre schwarze Begleiterin, jeweils vor herbstlich gefärbten Bäumen und der angedeuteten Mauer. Ob es sich bei den hier angebotenen Gemälde um im Vorfeld entstandene, ausgeführte Studien zu den Wandbildern handelt oder um eigenständige Gemälde, die im Nachhinein nach dem Vorbild der Wandbilder entstanden oder um Ausschnitte aus einer möglichen 2. Version der Wandbilder, lässt sich nicht mit Gewissheit sagen. Der Maler, Graphiker, Bühnenbildner und Entwurfszeichner für Kunstgewerbe Fritz Erler war zunächst Schüler von Albrecht Bräuer in Breslau, ehe er sich 1892-4 an der Académie Julian in Paris fortbildete. Ab 1895 lebte und arbeitete er in München. 1896 wurde er Mitbegründer der Zeitschrift 'Jugend', 1899 Gründungsmitglied der Münchner Künslervereinigung 'Scholle', deren Vorsitzender er zeitweise war. In den Jahren bis zu Beginn des ersten Weltkriegs, den er als Kriegsmaler erlebte und in zahlreichen Werken schilderte, entstanden hauptsächlich Portraits und zum Teil großformatige, dekorative Figurenkompositionen. Seit 1898/99 schuf Fritz Erler auch Wandbilder, Fresken und Dekorationsmalereien, so z. B. 1907 die Fresken im Wiesbadener Kurhaus und die Wand- und Deckenbilder für das Ausstellungsrestaurant der Ausstellung München 1908. Wie geschätzt und erfolgreich Fritz Erler bereits in dieser Zeit war, belegen nicht nur die regelmäßige Teilnahme an allen großen deutschen Kunstausstellungen, sondern auch die Tatsache, daß seit 1910 ein ständiger Ausstellungsraum in der Modernen Galerie Thannhauser in München für seine Werke reserviert war. Fritz Erler war Ehrenmitglied der Akademien von München und Mailand, korrespondierendes Mitglied der Wiener Sezession, des Salon d'Automne in Paris, Mitglied des Deutschen Werkbundes und der Münchener Secession.

Literatur

Die Kunst, Bd. 24, München 1911, zwei Beilagetafeln, jeweils 'Dekoratives Gemälde' betitelt, zwischen S. 108 u. 109, S. 110, mit Abb. des Bibliothekzimmers; Fritz von Ostini, Fritz Erler, Bielefeld und Leipzig 1921, S. 96, Abb. 86 u. S. 97, Abb. 87 mit Text S. 82f; Christina Schroeter, Fritz Erler Leben und Werk, Hamburg 1992, S. 260, M.91/92 (dort irrtümlich als 'Studie zu einem Bild für die Weltausstellung Paris 1910' bezeichnet; Carolin Bergner, Münchener Kunst in Paris, in: Cultor, Heft 02-04, München 2006, S. 10/11.