Form und Figur
Plastik und Skulptur des 19. und 20. Jahrhunderts
Kapitel: Art Déco - 1920er - 1940er Jahre
| 54 , 03.07.2009 |
| 195 |
Edmund Reitter |
| Preßburg 1904 - 2007 Altlengbach, Nieder-Österreich |
'Sitzende', 1947 |
| Sitzende junge Frau, die Beine übereinander geschlagen, die Arme vor der Brust verschränkt. Bronze, gegossen, dunkelbraun patiniert; auf dem Vierkantsitz über dem Sockelstand links sign. und dat.: REITTER 1947 (vertieft). H. 95 cm; 40 x 16 cm. |
€ 6.800,00
$ 9,600.00 |
€ 5.000,00
$ 7,050.00 |
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Nach dem Originalgips von 1947 im Jahre 2008 gegossen: zu Lebzeiten des Bildhauers wurde kein Exemplar des Modells in Bronze gegossen. Ein vom Bildhauer in den 80er Jahren (?) maschinenschriftlich erstelltes Verzeichnis der eigenen Werke (Privatbesitz, Wien), listet eine 'Sitzende, 1949' auf, die vermutlich mit der vorliegenden Figur identisch ist.
Der Bildhauer Edmund Reitter unterbrach seine Schulzeit am Gymnasium in Preßburg, um zwei Jahre beim akademischen Bildhauer Alois Riegele zu studieren. Er studierte anschließend Architektur an der Technischen Hochschule in Preßburg und Bildhauerei an der Akademie in Wien. Sein 'Jugendlicher Athlet' wurde 1921 im Volksgarten Wien beim Theseustempel aufgestellt, 1926 schuf er für die Wollzeile das Denkmal an Dr. Karl Lueger, ehemaligen Bürgermeister von Wien. Reitter studierte später 1941-43 an der Kunstakademie in München, bevor er sich endgültig in Wien niederließ und zunächt weitere Studien an der Akademie bei Josef Müller betrieb. Als hervorragender Turner und Gewinner des Ersten Preises bei der Nationalen Meisterschaften in Preßburg 1931 interessierte sich Reitter als Bildhauer für die Bewegungsvielfalt des menschlichen Körpers und schuf in den 30er Jahren sowie 1947-50 u.a. Darstellungen von Ringkämpfern, einen 'Turner auf dem Barren', einen 'Hochspringer', 'Kugelstoßer', 'Speerwerfer' usw. Der 'Turner auf dem Barren', eine lebensgroße Bronzefigur brachte Reitter den Ersten Preis in einem gesamtösterreichischen Wettbewerb ein und wurde 1948 anlässlich der Olympischen Spiele in London im dortigen Victoria and Albert Museum ausgestellt. Daraufhin wurde Fritz Wotruba auf ihn aufmerksam und stellte ihm ein Meisteratelier in der Akademie zur Verfügung. Reitter wandte sich nun dem Typus, dem Allgemeinen in einer höheren Sphäre zu und beschäftigte sich mit blockmäßigen Darstellungen von Strassenarbeitern mit Presslufthammer oder Pflasterstein beim Wiederaufbau der Stadt Wien. Für den Marktplatz in St. Georgen bei Emmendorf, NÖ, schuf er 1962 die Reiterfigur 'Heiligen Georg'. Reitter schuf zahlreiche Kriegsdenkmäler und Kleinplastiken aus Bronze und war an der Wiederherstellung von zerstörten Statuen und Reliefs an bedeutenden öffentlichen Gebäuden in Wien und anderswo (Belvedere, Burgtheater, Kunsthistorisches Museum, Brunnen vor dem Parlament, Kartause in Garming usw.) beteiligt. Im Auftrag von staatlichen und kirchlichen Stellen nahm er an Ausstellungen in Wien, München, Breslau, Pressburg, London, Melbourne und Helsinki teil. Seit 1970 unterhielt er ein Atelier in Altlengbach, NÖ. Eine große Retrospektive seiner Werke fand 1978 im Bezirksmuseum Innere Stadt Wien statt. Ein zu Lebzeiten des Künstlers angefertigtes maschinenschriftliches Verzeichnis des bildhauerischen Werks von Edmund Reitter befindet sich im Wiener Privatbesitz.